Schock in der Kirche!
 
"Ein Riesenerfolg für die Porzer Kantorei, den jungen Jazz- und Gospelchor „Keep On Singing" und das Sinfonieorchester mit Gästen aus der Region."


 
Zu dieser Aufführung von Karl Jenkins Werk am 13. Oktober 2013 in der Markuskirche schreibt die "Pressestimme" des Kölner Stadt-Anzeigers:
 
"Das altfranzösische Soldatenlied „L'homme armé" (Der Mann in Waffen) hat eine denkwürdige Geschichte. Seit der Renaissance tauchte die eingängige Melodie oft, umgedeutet, in Messen auf. Und heute rahmt sie die Friedensmesse „The Armed Man" des walisischen Komponisten Karl Jenkins. Er schrieb das Antikriegsstück im Auftrag des britischen Waffenmuseums „Royal Armouries". Der mit Pop- und Werbemusiken vertraute Komponist wollte ein breites Publikum erreichen. Das hat er geschafft. Verkehrschaos vor dem Konzert. Das 70-minütige Werk für Chor, Solisten und Orchester wurde nach der Londoner-Uraufführung 2000 zu einem Welthit.
Es war aber in Deutschland noch nicht oft zuhören. In der voll besetzten Markuskirche in Porz-Eil wagte sich nun Kantor Thomas Wegst mit 130 Mitwirkenden an das große Crossover-Stück. Das wollten so viele hören, dass es vorab ein mittleres Verkehrschaos gab. Die Anstrengung der Musiker hat sich gelohnt. Das Publikum feierte die bewegende Aufführung mit Beifall im Stehen. Ein Riesenerfolg für die Porzer Kantorei, den jungen Jazz- und Gospelchor „Keep On Singing" und das Sinfonieorchester mit Gästen aus der Region. Jenkins zieht alle Register; er zitiert oder verarbeitet Musik aller Zeiten und Stile, von der Gregorianik über das besagte Soldatenlied und Marschrhythmen bis zu popnaher Melodik, Jenkins schildert in geschickt kompiliertem Crossover krass die Schrecken des Krieges, Angst und Entsetzen. Oft zuckten die Zuhörer zusammen. Denn Wegst ließ die vielen Schockeffekte heftig ausführen: Schlagzeugattacken, Schreie des ganzen Chors und der gewaltigen Blechbläserbatterie. Um so stärker kontrastierten leise Gesänge zu Themen wie Angst, Verlassenheit und Trauer. Am Ende steht eine Vision von Frieden „Better Is Peace", da singt nur noch der Chor a cappella. Weniger beizutragen hatten die Solisten (Anna Herbst, Dagmar Linde, Clemens Löschmann, Martin Krasnenko), am schönsten geriet das wunderbar verhaltene Altsolo „Silent". Diesen Text schrieb Guy Wilson, der frühere Direktor des Waffenmuseums. Er hat auch weitere Texte vorgeschlagen: aus der Bibel, von diversen Dichtern, das Schreckensbild aus einem altindischen Epos und erschütternde Aussagen von Toge Sankichi aus Hiroshima. Als Gerüst dienen lateinische Gebete aus der Messliturgie. Gloria und Credo lässt Jenkins aber weg. Er überrascht vielmehr mit dem islamischen Ruf zum Gebet „Allahu Akbar". In Porz sangen es vier um das Publikum platzierte Imame gleichzeitig. Nicht zuletzt, weil dieser Ruf in einer Kirche erklingen sollte, hatte es Diskussionen gegeben, berichtete vorab Henning Schützendorf vom Presbyterium. Auch öffentlich bereitete Wegst die Friedensmesse ungemein breit vor, auch mit einer Podiumsdiskussion.Tatsächlich gehört Jenkins' Stück zu einer Reihe von Kompositionen, bei denen das Publikum sich erstaunlich wenig mit der Musik selbst befasst. Ungleich mehr Beachtung findet die vermutete Absicht des Komponisten. Das Porzer Konzert jedenfalls trug Züge eines Friedensappells mit Hilfe der Musik."
(Kölner Stadt-Anzeiger, MARIANNE KIERSPEL, 18.10.2013)

 


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